Gotik: die Romantik der Architektur

Denkt man an mittelalterliche Baukunst, so denken die meisten Menschen zuallererst an imposante säkulare Gebäude wie die Notre-Dame de Reims in Paris, den Veitsdom in Prag oder das Ulmer Münster. Denn obwohl diese Gebäude in ganz Europa verteilt stehen, so sehen sie sich doch sehr ähnlich – und das liegt nicht nur daran, dass es sich bei allen drei um katholische Gotteshäuser aus dem Mittelalter handelt. Alle drei Kirchen sind aus der Epoche der Gotik.+

Was ist „Gotik“?

Spricht man von Gotik (oder dem meist geläufigeren englischen Begriff „Gothic“), ist Architektur meistens nicht die erste Assoziation. Gerade „Gothic“ beschreibt eine Subkultur im Punk, in der Electronic Dance Music und im Steampunk und wird meist mit dunklen Gestalten, Spitze und bleichen Gesichtern verbunden. Oder mit den Werken Edgar Allan Poes oder H.P. Lovecrafts, die beiden wohl berühmtesten Autoren des literarischen Genres der Gotik.

Gotik ist aber eben auch ein Baustil, der in Europa im Mittelalter sehr stark vertreten war. Er geht einher mit der literarischen Epoche der Romantik und ist, genau wie diese, sehr detailverliebt, aber doch unaufgeregt und entspannt. Vor allem in Italien, aber auch in Deutschland und Frankreich war Gotik für fast 300 Jahre der vorherrschende Baustil für große Wohngebäude, Kirchen und Rathäuser.

Ein zentrales Element der Gotik ist der Spitzbogen, der nicht nur für Ein- und Ausgänge, sondern auch für Deckenkonstruktionen innerhalb des Gebäudes häufig zum Einsatz kommt. Dazu kommen Ornamente und Muster aus Stein, die mit hoher Kunstfertigkeit aus großen Steinblöcken herausgearbeitet und dann verbaut wurden.

Die aufwendigen Verzierungen und Verästelungen sind wohl auch der Grund für die langen Bauzeiten: das Ulmer Münster benötigte 513 Jahre von Grundsteinlegung bis Fertigstellung.