Der amerikanische Traum

Die ersten Wolkenkratzer

Amerika gilt seit jeher als Land der Superlative. Die junge Nation war

schon immer ein Magnet für Träumer, Abenteuerlustige, Visionäre und Freiheitsliebende. Es überrascht daher wenig, dass Amerika, genauer die Stadt Chicago, als Geburtsland des Wolkenkratzers gilt.

Eine kurze Geschichte der Wolkenkratzer

Generell spricht man von einem Wolkenkratzer, wenn das Gebäude höher ist als 150 Meter. Aber bereits die alten Ägypter bauten ihre Pyramiden mit einer Höhe von 146 Metern, weshalb man hier gerne von „antiken Wolkenkratzern“ spricht.

Die Idee, ein möglichst hohes Wohnhaus zu bauen, ist also nichts Neues. Seit jeher gilt ein hohes Haus, egal ob als Wohnhaus oder Bürogebäude, als Zeichen für Wohlstand, finanziellen und persönlichen Erfolg und dient als Statussymbol. Daher überrascht es wenig, dass auch im Mittelalter vor allem reiche und einflussreiche Familien sogenannte „Geschlechtertürme“ errichteten, mit denen sie ihre Vorherrschaft in einem bestimmten Gebiet anzuzeigen versuchten und die als Hinweis dienten, dass hier eine bestimmte Familie das Sagen habe. Speziell in Italien waren diese Geschlechtertürme extrem beliebt bei den großen Familien. In Bologna stehen heute noch 20 Türme aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die jeweils zu einer anderen Familie gehörten. Der höchste dieser Türme, der Turm Asinelli, misst stolze 97 Meter – was ihn zwar nach heutigen Standarts nicht als Wolkenkratzer qualifiziert, in Anbetracht des Alters jedoch durchaus eine beeindruckende Zahl ist.

„America, land of the free“

Der amerikanische Traum ist seit jeher ein eher kapitalistischer: vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Niemand zum Jemand, von arm und krank zu reich und schön. Da überrascht es wenig, dass der amerikanische Traum im Bau von Wolkenkratzern seinen architektonischen Ausdruck gefunden hat. Gerade hier, wo das Geltungsbedürfnis hoch ist und ein gewisses Maß an Prunk zum guten Ton gehört, sind Wolkenkratzer der ultimative Ausdruck des eigenen Reichtums und ein deutliches Zeichen an alle anderen: schaut her, ich hab’s geschafft.

Daher kam es auch zwischen New York und Chicago schnell zum Wettkampf, welche Stadt die höheren Wolkenkratzer aufstellen könne – einen Wettstreit, den New York zuerst mit dem Empire State Building und nicht zuletzt mit den Twin Towers des World Trade Centers für sich gewinnen konnte. Eine Führung, die nach dem 11. September wieder an Chicago überging, deren Willis Tower aber 2014 durch den Bau des One World Trade Centers in New York wieder an letztere übergegangen ist.